Schon früh begann ich mich für Politik zu interessieren und schnell wurde mir klar, dass ich mich auch selbst aktiv politisch einmischen möchte. Im Jahr 2004 tat ich dann diesen Schritt und wurde Mitglied der SPD. Es war 1 Jahr nach der Verkündung der Agenda 2010 durch Bundeskanzler Gerhard Schröder.
Was viele Menschen zu Protesten bewegte, war für mich der Grund zum Eintritt in die SPD: Ein riesiges Reformpaket beendete endlich den Stillstand in Deutschland, der unter Schröders Vorgänger Helmut Kohl lange herrschte. Während Kohl den Menschen „blühende Landschaften“ versprach, holte Gerhard Schröder das Land auf den Boden der Tatsachen zurück. Und genau das faszinierte mich so an ihm. Er sprach aus, was jeder wusste oder ahnte und vielleicht nicht wahrhaben wollte und schob ein Reformpaket an, das viele unbequeme, aber notwendige Dinge enthielt. Seine pragmatische Herangehensweise brachte Schröder viel Zorn entgegen und dennoch ist heute eines unbestritten: Ohne die Agenda 2010 stünde Deutschland heute in Europa wirtschaftlich nicht so gut da, wie es das tatsächlich tut.
Als Pragmatismus bezeichnet man die „Politik des Machbaren“. Diese Definition war bisher auch immer Leitfaden meines politischen Handelns. Sicher kann man den Menschen vieles versprechen. Eine Kindergelderhöhung hier, eine Rentenerhöhung dort. Doch muss man, will man realistisch bleiben, gewisse Grenzen akzeptieren. Dazu gehört eben auch die Finanzierung politischer Vorhaben. Eine weitere Verschuldung zu Lasten kommender Generationen lehne ich ebenso ab wie den Menschen falsche Hoffnungen zu machen.
Natürlich würde man gerne Menschen mit 60 in Rente schicken. Aber unser derzeitiges Rentensystem lässt dies einfach nicht zu. Daher ist die Rente mit 67 der richtige Schritt. Vielmehr muss in eine zukunftsgewandte Familienpolitik investiert werden. Investitionen in den Ausbau der Kitas, in Bildung und die Einführung eines Mindestlohnes geben Menschen Sicherheit für ihre Familienplanung. Plumpe Forderungen nach Steuersenkungen und Erhöhungen von Sozialleistungen ohne Gegenfinanzierung tun dies nicht. Sie sind lediglich das Werk von Populisten und gingen zu Lasten kommender Generationen. Die Haushaltskonsolidierung darf nicht durch ausufernde Neuverschuldung gefährdet werden.
In der SPD findet man eine pragmatische Heimat im so genannten „Seeheimer Kreis“. Der Seeheimer Kreis verfolgt genau diese „Politik des Machbaren“ und ist mit diesem Konzept bisher erfolgreich gewesen. Er unterstützte die Agenda 2010 von Gerhard Schröder und hat den Kurs der SPD immer korrigiert wenn er nach links, und damit in die Bedeutungslosigkeit, abzurutschen drohte.
Alljährlich veranstaltet der Seeheimer Kreis die so genannte „Spargelfahrt“. Dieses Jahr durfte ich zum ersten Mal daran teilnehmen. Über 700 Genossinnen und Genossen und Freunde der SPD fuhren mit einem Schiff über den Wannsee bei Berlin. Zu Essen gab es natürlich Spargel. Wer allerdings glaubt, dies sei eine rein vergnügliche Bootstour, der irrt, denn es wurde durchaus politisch. Sowohl der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Frank-Walter Steinmeier als auch der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hielten Reden zur aktuellen Lage in der Euro-Krise und auch nach dem Essen war genügend Zeit, in kleinen Gruppen politisch zu diskutieren.
Pragmatiker war ich während meiner bisherigen Parteizugehörigkeit immer. Seit der Spargelfahrt weiß ich endgültig, dass ich zu den Seeheimern gehöre. Denn, auch wenn Pragmatismus bedeutet, dass unbequeme Dinge ausgesprochen und Grenzen des Umsetzbaren aufgezeigt werden müssen, so ist es den Menschen in unserem Land gegenüber doch ehrlicher als Utopien oder Populismus von anderer Stelle.
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