Immer wieder liest man von gewalttätigen Übergriffen mit Waffengewalt in den USA. Mal sind es Amokläufe an Schulen, wie der Columbine High School, Bandenkämpfe um Drogen und Einfluss über Stadtviertel oder anders motivierte Schießereien auf offener Straße.
Im Juli diesen Jahres kam es bei einer Kino-Premiere nahe Denver zu einer Schießerei. Der Täter trug ein Batman-Kostüm und seine Bluttat forderte mindestens 12 Tote und 50 Verletzte. Kurz darauf dann schonwieder eine Schießerei am Empire State Building in New York mit 2 Toten und mehreren Verletzten.
All diese Übergriffe sind keine Einzeltaten, sondern häufen sich leider in den USA. In keinem anderen westlichen Land sterben so viele Menschen durch Waffengewalt wie in den USA. Laut Statistiken des FBI wird jede Stunde 1 Mensch in den USA erschossen. Insgesamt sind dies 8775 Tote pro Jahr.
Diese Zahlen sind erschreckend, doch leider sind sie durch das Waffengesetz der USA ein hausgemachtes Problem. Die Waffenlobby hat in den USA eine enorme Macht und kann sich in ihren Argumentationen immer auf die us-amerikanische Verfassung stützen. Im 2. Zusatzartikel der Verfassung, befindlich in der so genannten „Bill of Rights“, wird jedem US-Bürger das Recht auf Waffenbesitz zugesprochen. Die „Bill of Rights“ umfasst 10 Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika und enthält Grundrechte amerikanischer Bürger. Sie stammt aus dem Jahr 1791.
Da jeder Bürger Waffen besitzen darf, ist der Zugang zu ihnen natürlich auch frei. So kommt es, dass man Waffen und Munition in den USA in den einfachsten Läden, teilweise gar an Tankstellen kaufen kann. Statistiken gehen davon aus, dass bis zu 340 Millionen Waffen in den USA im Umlauf sind. Bei einer Bevölkerung von 314 Millionen Menschen gibt es also mehr Waffen als Menschen in den USA. Dies spricht für sich.
Ich finde einen solchen Zustand unhaltbar, da er ständig Zündstoff für neue Massaker bietet. Meiner Meinung nach muss es ein massives Umdenken in der amerikanischen Gesellschaft geben. Das dies nicht einfach sein wird, ist mir bewusst. Leider sind die Menschen, die die Gefahren erkannt haben und eine Verschärfung der Waffengesetze herbeiführen wollen, noch in der Unterzahl in den USA. So gab es die skurilsten Antworten auf die blutigen Gewalttaten. Nach dem Amoklauf in Denver war eine erste Reaktion, dass Batman-Kostüme bei Kino-Besuchen verboten wurden.
Dass nicht das Kostüm, sondern der freie Zugang zu Waffen, das eigentliche Problem war, darüber wurde nicht gesprochen. Ein republikanischer Politiker forderte gar, die Bevölkerung noch stärker zu bewaffnen, damit Menschen bei Amokläufen einfach zurückschießen und den Amoklauf so beenden könnten.
Solche „Lösungsvorschläge“ finde ich mehr als indiskutabel. Eine weitere Bewaffnung und der Einsatz von Selbstjustiz öffnen der Gewalteskalation Türen und Tore. Leider wird auch der momentan stattfindende Präsidentschaftswahlkampf in den USA von diesem Thema geprägt und lässt gleichzeitig keine Verbesserung der Lage erkennen. Die Republikaner halten am Waffenbesitz fest. Die Demokraten würden sicher gerne etwas verändern, halten sich jedoch, im Wissen der Macht der Waffenlobby, zurück.
Die USA sind ein großes, wissenschaftlich und technisch sicher hochentwickeltes Land. Dennoch gibt es hier auch noch sehr viele Bereiche, in denen die USA z. B. Europa hinterher hängen. Haushaltskonsolidierung, Gesundheitswesen, Klimaschutz und – eben auch das Waffenrecht – sind nur ein paar dieser Bereiche.
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