Vergangene
Woche beging die UNO einen historischen Schritt indem sie Palästina zum
Beobachterstaat erklärte. 138 UNO-Mitgliedsstaaten stimmten dieser
diplomatischen Aufwertung zu, 9 stimmten dagegen (darunter u. a. die USA,
Israel, Kanada und die Tschechische Republik), 41 Staaten enthielten sich
(darunter auch Deutschland).
Was bedeutet
dieser „Beobachterstatus“ nun für Palästina ? Zuerst einmal ist Palästina
dadurch kein Vollmitglied der UNO geworden, erhält jedoch weitreichende neue
Rechte. Auch wenn den Palästinensern das Abstimmungsrecht verwehrt bleibt, so
bekommen sie z. B. das Rederecht, können an Resolutionen mitarbeiten und
erhalten Zugang zu vielen UN-Gremien. Außerdem erhält Palästina Zugang zur
internationalen Gerichtsbarkeit und kann völkerrechtlichen Verträgen beitreten,
so z. B. der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation und dem
Seerechtsübereinkommen, wodurch es auch die Kontrolle über den
palästinensischen Luftraum und die Gewässer vor den eigenen Küstengebieten
beanspruchen könnte. Kritiker der Aufwertung Palästinas zum Beobachterstaat
sehen vor allem ein Problem im Zugang zur internationalen Gerichtsbarkeit, da
hiermit Palästina Israel wegen seiner Siedlungspolitik im Westjordanland vor
dem Internationalen Strafgerichtshof verklagen könnte.
Ich
persönlich finde die Aufwertung Palästinas einen richtigen und wichtigen
Schritt. Auch ich stehe zur Zwei-Staaten-Lösung im Nahostkonflikt und bin der
Meinung, dass, wenn wir Israel ein Existenzrecht zugestehen, dann sollten wir
gleiches auch Palästina einräumen. Nur auf gleichberechtigter Basis kann in
meinen Augen ein langfristiger Frieden in der Region geschaffen werden.
Nichtsdestotrotz müssen nun natürlich die Verhandlungen vor Ort weitergeführt
werden, auch wenn diese momentan schwer erscheinen.
Dass
Deutschland sich bei der Abstimmung in der UNO-Vollversammlung enthalten hat,
finde ich den falschen Weg. Nicht nur, dass ich von der Sache an sich überzeugt
bin, so bin ich auch der Ansicht, dass Deutschland international mehr Farbe
bekennen sollte und auch in schwierigen Fragen klar Stellung beziehen sollte.
Deutschland ist eine der größten Wirtschaftsnationen der Erde und beteiligt
sich zu Recht an internationalen Missionen. Daher finde ich ständige
Zurückhaltung nicht gut.
Israel
reagierte unterdessen sehr scharf auf die Aufwertung Palästinas. So wurde z. B.
der Bau von 3000 neuen Wohnungen im Westjordanland und das Einfrieren
palästinensischer Steuergelder beschlossen. Die für Dezember geplante
Auszahlung von 460 Millionen Schekel (etwa 92 Millionen Euro) wurde ausgesetzt.
Ich finde diese Reaktion Israels vollkommen falsch, da sie internationalen
Friedensbemühungen neue Steine in den Weg legt
und den Konflikt eher verschärft. Hier erfordert es aus meiner Sicht
internationalen Druck auf Israel. Auch die USA müssen sich hier bewegen.
Genauso wie das Existenzrecht Israels nie in Frage gestellt werden darf,
genauso fair hat sich aus meiner Sicht auch Israel zu verhalten und am
Friedensprozess mitzuwirken.
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